Montag, Juni 20, 2005

Menschenkenntnis

Es gibt Leute, die von sich behaupten eine gute Menschenkenntnis zu haben.
Doch kann man jemanden schon kennen, obwohl man ihn noch nicht kennt?
Man sieht jemanden und bildet sich seine Meinung. Und diese Meinung ist immer wieder mit Schubladendenken verbunden. Man nehme die sogenannten "Randgruppen": ein "Normalbürger" begegnet einem Punk, Metaller, was auch immer, und hat sofort ein Bild im Kopf. Diese Menschen sind schlecht. Faul, unerzogen, schlampig. Kann man durch das Äußere sagen, wie ein Mensch tatsächlich ist?
Ich persönlich weiß, dass ich auf den ersten Blick verschlossen, sogar arrogant wirke. Doch bin ich es nicht. Ich öffne mich nicht jedem, benutze diesen Schutzmechanismus, um mich ein wenig von außen abzuschotten. Doch Leute, die mir nah stehen, die mich wirklich kennen, wissen wie ich bin.
Menschenkenntnis ist nichts anderes, als ein selbst eingeredetet, guter Charakterzug.
Man kann andere nicht dadurch kennen, dass man sie ansieht. Zuviele verstecken ihre Gefühle und Empfindungen vor der Gesellschaft.
Auch ich glaubte früher eine gute Menschenkenntnis zu haben und doch wurde ich oft enttäuscht.
Wie kommt man auf diesen arroganten Gedanken, man wüsste so viel über andere, wenn man noch nicht einmal mehr als drei Sätze mit demjenigen gewechselt hat?
Durch diese Einbildung kommen Vorurteile zustande. Dies wiederum führt zu Hass gegenüber bestimmten Gruppen/Menschen.
Wir sollten alle mehr versuchen unser Gegenüber wirklich kennenzulernen, anstatt uns unsere Meinung durch wenige gesagte, noch mehr nicht gesagte Worte und der äußeren Erscheinung zu bilden.


Sieh einen Menschen genau an, und du siehst ihn nicht mehr; er wird vor deinen Augen etwas anderes, als er eigentlich ist.

(Christian Friedrich Hebbel )

Freitag, Juni 17, 2005

Dialog in hundert Jahren

Der eine sagt:
"Wie schön
das gewesen sein muß

als wir noch an Pest
und an Syphilis
an Scharlach

an Lungenschwindsuchtund
an Krebs

an Herzverfettung
und Schlagfluß

verreckten wie Tiere!"

Der andere fragt ihn:
"Sag was waren das, Tiere?

(Erich Fried)

Donnerstag, Juni 16, 2005

Die Vergangenheit in Stücke schlagen


Die Vergangenheit ist nur der Anfang eines Anfangs,

und alles, was ist und gewesen ist,
ist nichts als Zwielicht in der Morgendämmerung.

H. G. Wells

Was ist Vergangenheit? Wofür ist sie gut? Lernen wir daraus, macht sie uns stärker?
Man kann die Vergangenheit nicht ändern, Fehler nicht ungeschehen machen. Wir treffen Menschen, die wir lieben lernen, die wir hassen. Und verlieren sie wieder. Wir tun Dinge, die wir nicht wollen, verschieben Dinge, die wir schon immer tun wollten. Und wir verändern uns. Doch mit jedem Tag, der vergeht lassen wir etwas hinter uns.

Warum kann man die Vergangenheit nicht ändern?
Weil sie genauso dazugehört, wie die Gegenwart und die Zukunft. Es gibt keinen Unterschied, keine Einteilung. Kein Vergessen.
Die Vergangenheit steht nicht irgendwo für jeden einzelnen geschrieben. Dieses große Wort "Schicksal". Sie ist das, was wir daraus machen, das was wir von vorne herein tun wollten.
Doch warum durchgeht man so viele Phasen? Wir erleben Leid und Freude, schöne Tage und Tage an denen wir am liebsten alles aufgeben würden. Und durch Vergessen versuchen wir das Negative aus unserem Leben zu streichen. Doch es zeichnet uns ebenso, wie das, was vor uns liegt.

Wir sollten nichts bereuen, was war, sondern stolz darauf sein, was daraus wurde.
Es lässt sich ohnehin nicht ändern.
Wie fatal wäre es auch, wenn wir es ändern könnten? Jeder würde zurück gehen und irgendwas ungeschehen machen. Und damit nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das unzähliger anderer damit verändern und schlimmstenfalls zerstören.

Lassen wir die Vergangeheit ruhen, ziehen unsere Erfahrungen daraus und versuchen nicht irgendwas anders oder besser zu machen.

Die Vergangenheit ist das, was mich zu dem gemacht hat, was ich jetzt bin. Und Jetzt ist das, was mich zu dem macht, was ich morgen sein werde.